Gezähmtes Feuer – Ein ungewöhnlicher Wissenstransfer

Mitten in der Nacht, um zwei Uhr, ist die Freiwillige Feuerwehr Freiburg hellwach. Rauch steigt aus einem mehrstöckigen Wohnhaus. Das Treppenhaus ist durch die Rauchentwicklung versperrt, die Bewohner müssen über die Balkone gerettet werden. Doch zwei Menschen bleiben vermisst. Mit Atemschutzmasken ausgerüstet, suchen jetzt mehrere Teams der Einsatzkräfte das Gebäude ab, Stockwerk für Stockwerk, Wohnung für Wohnung. Ein außerordentlicher Einsatz, der zum Schluss wieder einmal Menschenleben retten wird.

Das Ereignis, von dem hier die Rede ist, liegt mittlerweile schon einige Jahre zurück. Und doch erinnert sich Manuel Fakler, angehender Betriebswirt an der Möfa, auch heute noch sehr lebhaft an diesen Einsatz. Denn manche Erfahrungen sind einfach prägend. Etwa dann, wenn es darum geht, in Stresssituationen einen klaren Kopf zu bewahren, im Team zu arbeiten und dort alles zu geben, soziale Normen nicht nur wortreich zu beschwören, sondern konkret zu leben.

Schon der Großvater und zwei Onkel Manuel Faklers engagierten sich bei der Feuerwehr. Mit vierzehn entschloss sich dann auch der Enkel, “mal hinzugehen”. Eine eigenständige Entscheidung, wie er heute mit Nachdruck betont. Inzwischen ist er seit acht Jahren dabei, zunächst bei der Jugendfeuerwehr, dann – nach etlichen Lehrgängen – in einer Einsatzabteilung. Heute übernimmt der 22jährige zugleich die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, die nach einem sinnvollen Hobby in der Jugendfeuerwehr suchen.

Doch was hat das alles mit Möbeln und Möfa zu tun? Löschzüge mussten zum Glück bislang nie vor das Schulgebäude rücken. Um den Zusammenhang zu verstehen, betreten wir in Gedanken am besten einen der Computerräume und schauen für einen Moment der Möfa-Dozentin Katja Ohm bei ihrem Unterricht im Fach “Datenverarbeitung” über die Schulter. Im dritten Semester der Betriebswirte erörtert sie mit den Studierenden unter anderem die Frage, wie unternehmensinterne Daten mit Hilfe der Software “FileMaker” zweckmäßig in einer Datenbank organisiert werden können. Vor dem Rechner sitzend lässt sich dabei schnell erfahren, dass ein neues Handwerkszeug für die zukünftige berufliche Arbeit gleich mehreres bedeutet: erhöhten Nutzen und verminderten Aufwand bei steigender Professionalität.  

Motivierend ist das, für Dozenten und Studierende in gleicher Weise. Das beweist auch die Vergabe des FMM Awards 2012 an Studiendirektor Joseph Deventer, einem Kollegen Katja Ohms. Seine drei kostenlosen E-Books, die er im Store eines weithin bekannten Computer- und Softwareherstellers veröffentlichte, erhielten im Herbst eine Auszeichnung als “beste Informationsquelle zu FileMaker”. Doch nicht nur die Dozenten, auch Studierende sind hellwach und gehen mit klarem Kopf an neue Aufgaben. So kommen Wissenstransfers zustande, an die zunächst selbst Dozenten nicht gedacht haben.

Wahrscheinlich errät schon jetzt der Leser, woran Manuel Fakler dachte. Selbstverständlich zunächst an berufliche Anwendungen, aber eben nicht nur. Denn schließlich gibt es auch bei der freiwilligen Feuerwehr vieles zu verwalten: Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände, Personaldaten, Übungstagebücher und noch allerhand mehr. Mit Stolz spricht der Studierende aber besonders von einer neuen Einsatzleitsoftware, die er als Ausbilder für die Jugendfeuerwehr entwickelt hat. Nach simulierten Hilfeanrufen errechnet die Datenbank den Stadtteil und die zuständige Abteilung, schlägt benötigte Rettungsmittel vor, zeigt auf einem zweiten Bildschirm den passenden Auszug aus dem Stadtplan. Ein Klick noch auf die Schaltfläche “Alarmieren”- und die Daten werden ausgedruckt und Einsatzkräfte benachrichtigt. Zum jährlich stattfindenden Berufsfeuerwehrtag, einer 24-Stunden-Übung der Jugendfeuerwehr, wird jetzt die neue Software eingesetzt werden.

“Prinzipien verstehen, neue Fragestellungen bewältigen, das ist ein wesentliches Ziel des Computerunterrichts”, sagt Katja Ohm, als sie gefragt wird, wie sie das Nebenprodukt ihres Unterrichts einschätzt. Und deshalb findet die Geschichte mit einer guten Note im Lehrerkalender ihr erfreuliches Ende.

Text: Manuel Fakler, PR-Gruppe

Foto: Manuel Fakler