1960 – 1986 – 2011 Seit drei Generationen an der Möfa

Die Möfa hat schon viele Menschen auf ihrem beruflichen Weg begleitet. In meiner Familie tut sie das nun schon in der dritten Generation. Ich heiße Ronja Osmers und besuche nach meinem Abitur seit 2011 den dualen Studiengang an der Fachschule des Möbelhandels. Aus diese Weise werde ich in gerade einmal sechs Semestern nicht nur einen soliden Berufsabschluss als Einzelhandelskauffrau in der Tasche haben, sondern zugleich als “Betriebswirtin (Fachrichtung Möbelhandel)” auch einen europaweit anerkannten Fachschulabschluss. Eine gute Voraussetzung für den späteren Einstieg in das Familienunternehmen. Familienunternehmen – das ist das Einrichtungshaus Osmers in der Nähe von Bremen, das 1955 von meinem Urgroßvater Fritz Osmers gegründet wurde. Mit knapp 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche fing dieser damals an. Mein Großvater Gerd Osmers war dann der Erste, der an der Möfa studierte. Eigentlich wollte er Maschinenschlosser werden und hatte die Lehre dazu auch schon abgeschlossen. Doch wegen der erfolgreichen Entwicklung des Geschäfts wechselte er die Branche und absolvierte zunächst eine Tischlerlehre, bevor er 1960 nach Köln ging.

Durch Studierende und einen Artikel in der möbel kultur war mein Großvater auf die Möfa aufmerksam geworden. “Die Möfa sieht ihre Aufgabe darin, dem angehenden jungen Möbelkaufmann den gesammelten Erfahrungsschatz der Branche zugänglich zu machen”, so beschrieb die Schule ihr Ziel schon zu Beginn der 60er-Jahre. Zunächst gab es nur einen einjährigen Lehrgang, der in drei Klassen unterrichtet wurde. Betriebswirtschaftliche und warenkundliche Lehrgebiete standen bereits im Mittelpunkt.

Wie heute gab es auch schon einen Vorbereitungskurs für angehende Studierende, die vorher noch keine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hatten. „Jeden Abend hatte ich Kopfschmerzen vom vielen Lernen”, erinnert sich Gerd Osmers noch heute. Denn schließlich musste nach diesem Kurs eine Aufnahmeprüfung bestanden werden. Im Studium aber wurden dann “Buchführung”, “kaufmännisches Rechnen” und “Gestaltung” zu seinen Lieblingsfächern.

Gewohnt hat mein Großvater bereits im Wohnheim, das Jahrzehnte später grundlegend modernisiert wurde. Damals aber herrschte noch ein anderer Wind: Um 22 Uhr wurde die Tür abgeschlossen. Wer später kam, musste sich beim Hausmeister melden, um noch hereingelassen zu werden. Um Ärger zu vermeiden, kletterte mancher jedoch über das Regenrohr auf das Vordach des Eingangs und von dort ins offene Zimmerfenster. Ein Zimmer wurde immer zu dritt bewohnt –  von den Jungs im ersten Stock und von den Mädchen im Erdgeschoss. So war man nie allein, was schön war, gelegentlich aber auch anstrengend sein konnte.

Nach seiner Ausbildung kehrte Gerd Osmers in den Betrieb des Vaters zurück. Dort wirkte sich die große Einrichtungswelle in der Mitte der 60er-Jahre positiv auf die Geschäftsentwicklung aus: Ein neues Möbelhaus wurde gebaut, ein Küchenstudio kam hinzu, das Sortiment wurde beständig erweitert. Als dann 1986 mein Vater Uwe Osmers auf die Möfa kam, hatte sich auch dort vieles verändert. Bereits ein Jahrzehnt zuvor hatte die Schule ihre Ausbildungskapazität verdoppelt. Sechs neue Klassenräume, zwei Zeichensäle, Sammlungsräume für Möbel, Polstermöbel und Gestaltung kamen hinzu. Seit 1977 besuchten Auszubildende die staatlich anerkannte Berufsschule. Und auch der Studiengang Betriebswirtschaft, den Uwe Osmers jetzt besuchte, nahm schon seit Langem zwei Jahre in Anspruch. Manche Dozenten hingegen hatte bereits sein Vater kennen gelernt. Hier konnte sich deshalb zwei Generationen problemlos austauschen – über gelegentlich originelle Vortragsweisen ebenso wie über die nützliche Strenge, mit der damals mancher erfahrener Lehrer praxisnahes Wissen in die Köpfe der Studierenden trichterte.

Die einwöchige Exkursion nach Italien und Österreich zählt für meinen Vater zu den schönsten Erinnerungen, ebenso wie die Möfa-Rallye. Spätestens seit Ende der 60er Jahre gehört sie zu den festen Traditionen der Schule. Fuhren anfangs Studierende mit dem Auto von Station zu Station, um dort Aufgaben unterhaltsamer Art zu erledigen, setzte sich recht früh schon der liebevoll ausgestaltete Bollerwagen als ständiger Reisebegleiter der Gruppen durch. Für gute Stimmung sorgt außerdem stets die Abschlussfeier. 1988 mussten in diesem Rahmen verschiedene Fernsehserien von Dozenten dargestellt werden. Unvergessen sind Improvisationen zum Italo-Western “Django”, dargeboten von Lehrkräften, die auch heute noch vor den Studierenden stehen.

Bereits mein Vater besuchte während seiner Möfazeit die Möbelmesse in Köln und sprach dort auf dem Möfa-Stand mit anderen Wissensdurstigen über das Thema “Datenverarbeitung”. Auch ich, Ronja Osmers, kam Jahrzehnte später dorthin, war mir aber eigentlich schon im Vorfeld im Klaren darüber, dass auch ich die Fachschule besuchen werde. Für mich steht fest, dass ich im Geschäft meines Vaters arbeiten möchte. Schon jetzt gefällt es mir, Kunden mit vielleicht etwas komplizierteren Wünschen zu beraten. Auf die Verantwortung, die ich auf längere Sicht haben werde, bin ich gespannt. Und weil die Möfa hierfür die beste Vorbereitung ist, bleibt unsere Familie ihr auch in der dritten Generation treu.

Text: Ronja Osmers, PR-Gruppe

Foto: Ronja Osmers