My way Abfahrt 5.03 Uhr – warum ein weiter Weg zur Fachberufsschule lohnt

Mein Name ist Max. Ich fahre seit Mai 2012 zur Berufsschule der MöFa nach Köln, und zwar von Coesfeld aus. Coesfeld, gesprochen wie “Kohsfeld” (nicht: “Zöhsfeld”), mit einem aus der Mode gekommenen Dehnungs-e, das ist eine kleine Kreisstadt mit etwa 35.000 Einwohnern. Geografisch liegt sie genau zwischen Münster und der holländischen Grenze, zentral im schönen Münsterland.

Meine Ausbildung habe ich 2011 im O2 Shop begonnen, wechselte aber bald zum Familienunternehmen Möbel Boer, zu dem seit mehr als zehn Jahren ein neues Möbelhaus in Coesfeld gehört. Eine vorteilhafte Entscheidung. Bereits im ersten Vorstellungsgespräch hieß es, die Fachberufsschule in Köln sei wirklich etwas Besonderes, das dort vermittelte Fachwissen sei unerlässlich. Außerdem sei Köln eine sehr schöne Stadt. So käme man rum, wurde mir noch ermunternd mit auf den Weg gegeben. Und schließlich komme mir Möbel Boer bei den Fahrtkosten entgegen.

Am ersten Schultag nach haarsträubenden 100 Minuten Fahrt in Köln angekommen, musste ich mir erneut eingestehen, ein untauglicher Autobahnfahrer zu sein. Natürlich: Als Purist war ich auch stolz gewesen, das Navi zwar dabei gehabt, aber nicht benutzt zu haben. Doch vor allem auf der Rückfahrt sollte mir diese Prinzipientreue einen unangenehmen Umweg einbringen. Hinzu kamen erste Berechnungen. Bei monatlich sieben Schultagen würden sich dem Autotacho jeden Monat 2.000 Kilometer hinzufügen. Schon nach zwei Jahren MöFa würde ich dann quasi die Erde umrundet haben!

Diese Überlegung, die unfreundliche Witterung und nicht zuletzt meine gesponserte BahnCard 50 haben mich letztlich dazu veranlasst, auf die Schiene umzusteigen.

Seit November 2012 fahre ich um 05.03 Uhr los. Nach zweimaligem Umstieg in immer vollere Abteile presse ich mich in die Straßenbahn, Linie1 bis Melaten, um schließlich wenige Augenblicke vor dem Lehrkörper den Klassenraum zu erreichen. Nach dem Schultag beginnt dann gegen 16.00 Uhr die Odyssee erneut. Je nach Pünktlichkeit der Bahn bin ich um 20.00 Uhr zu Hause, mit Glück, und – entgegen aller Erwartung – manchmal auch früher.

Inzwischen ist mir dennoch klarer, was die Mühen der Wege rechtfertigt: Ich denke da vor allem an die spezielle Warenverkaufskunde, die ganz auf die Einrichtungsbranche abgestimmt ist. Wo erfährt man sonst so viel über Möbel, Küchentechnik, Polstermöbel, Heimtextilien, Möbelstile und Gestaltung? Versierte Lehrer unterrichten auch in den weiteren berufsbezogenen Fächern. Gute Prüfungsergebnisse der Absolventen vor den Industrie- und Handelskammern sollen das Ergebnis dieser Arbeit sein, hört man.

Schon jetzt gibt es vieles, was ich von jedem Schultag mit in mein entferntes Zuhause, in den Ausbildungsbetrieb und vor allem zum Kunden bringen kann. Schade nur, dass die knappe Zeit mich Köln bislang nur aus dem Fenster meines Zugabteils erleben lässt. Immerhin überquere ich den Rhein …

Text und Foto: Max Kauermann